Fechten mit dem Säbel - wie vor 200 Jahren

Eine spannende Kampfkunst für geschichtsinteressierte Sportler

ANNO 1838 trainiert und erforscht das Hau- und Stoßfechten wie es vor fast 200 Jahren war. Wir behandeln neben dem Fechtsport auch das Fechten zum Zweck des Duells, in Notwer und in seiner militärischen Ausprägung auf dem Schlachtfeld. Und das alles nach einem Fechtbuch aus dem Jahr 1838.

Was wir machen

Forschen

Woher kommt die Fechtkunst? Wie ging das? Was hat die Menschen damals bewegt? Das interessiert uns.

Trainieren

Den Säbel wie damals führen können. Das erlernt Ihr bei ANNO 1838. Baton und Bajonett sind Teile davon.

Kampfkunst

Wie funktionieren Einzelkampf und Schwadronhauen? Das wird im sportlichen Training vermittelt.

Lust auf Probetraining?

Bitte lass‘ uns wissen, wann Du vorbeikommen möchtest. Und wirf auch bitte einen Blick in Trainingsordnung und Satzung, damit Du weißt, worum es bei uns geht. Zuletzt eine Frage: Du bist mindestens 18 Jahre alt? Dann schreib uns einfach eine Mail, und Du bist dabei! Unten im Kalender und den Karten siehst Du, wann und wo wir trainieren.

Unsere Trainer

Marcus

leitet das Donnerstagstraining. Er ficht seit 2003 mit verschiedenen Waffen und ist seit Dezember 2017 C-Trainer.

Sebastian

leitet das Montagstraining. Er ist seit 2010 Historischer Fechter und aktuell in der Ausbildung zum C-Trainer.

Unsere Mitgliedschaften

Der Deutsche Dachverband Historischer Fechter e.V. repräsentiert eine große Zahl Historischer Fechter, die ähnlich oder wie wir arbeiten

Die International Federation for Historical European Martial Arts ist die europäische Dachgesellschaft der nationalen Verbände

Der Hamburger Sportbund e.V. ermöglicht uns die C-Trainerausbildungen, stellt Hallen und Versicherungen zur Verfügung

Wer noch mehr wissen möchte

Geschichte des Fechtbuchs

Zentral für die Rekonstruktion der Quelle war das Auffinden des Fechtbuches "Theoretisch-praktische Anleitung des Hau-Stoßfechtens und des Schwadronhauens (...)" Ende 2008 durch J. Christoph Amberger. Dieses Exemplar blieb verschlossen im privaten Besitz.

Im August 2010 lokalisierte Andreas Engström einige Exemplare an verschiedenen Hochschulen. Gerhard Gohr hatte Zugriff auf eines und konnte so die komplette Quelle in Augenschein nehmen und deren fechterischen Wert bestätigen. Da das Faksimile von mäßiger Qualität war wurde von ihm und Roland Fuhrmann postwendend eine Transkription erstellt.

Einen ersten Probelauf des Fechtsystems gab es im Februar auf dem Dreynevent 2011. Beim Turnier in Wien wählte die Gruppe aus Hamburg das Hau = Stoßfechten als Stil und sammelte erste Erfahrungen.

Im September und November 2011 wurden bei Hammaborg zwei Einsteigerkurse gehalten, die Einblicke in die Quelle und das System gaben. Das regelmässige Training begann am Neujahrstag 2012. Training wurde Sonntags Mittags und Montags Abends gegeben.

Veröffentlicht wurde die Transkription schliesslich im April 2012 vom Fechtsaal, nachdem Hammaborg das fehlende Bildmaterial beigesteuert hatte.

Im November 2013 bestanden dann zwölf Fechter von Hammaborg und Mispeldorn die erste Prüfung in Anlehnung an die Quelle. Eine weitere Prüfung wurde im April 2014 abgehalten und damit das System der Einsteigerprüfungen in beiden Trainingsgruppen etabliert. Zusätzliches Training wurde ab Januar 2014 am Samstag Abend eingerichtet.

Geschichte des Vereins

Nach gut zwei Jahren der Forschung und des Trainings zeigte sich so zunehmendes, dass die Quelle didaktisch und fechterisch hohes Potential hat. Zudem wurde es durch weitere Informationen aus dem Vorwort der Quelle zunehmendes interessant, das Werk in den historischen Kontext zu stellen.

Das zudem sehr umfangreiche Material verlangte mehr und mehr nach einer Konzentration allein auf die "Theoretisch-praktische Anleitung" und liess stärker ein schematisiertes Training zu, als es bis dahin ersichtlich war. Auch zeigte sich, dass militärische Kommandos und Strukturen nach einer eigenen Form verlangten.

Die Gründung von ANNO 1838 - Hau = Stoßfechten e.V. fand dann im Mai 2014 als logische Konsequenz statt. Begangen wurde sie mit Tirer au mûr und Assaut.

Hintergrund und Einordnung

Das Schwert als Vorfahre, der Säbel als zivile und militärische Waffe als eine späte Ausprägung davon - es gibt viele Klingenwaffen, die auf Hieb und Stich, Hau und Stoß geführt wurden. So treffen sich in der Historischen Europäischen Kampfkunst auch viele Begriffe für das, was wir machen.

Manche sagen dazu Schwertkampf oder Fechten, Historischer Schwertkampf, Historisches Fechten, Mittelalterlicher Schwertkampf oder Klassisches Fechten.

Bei uns bedeutet eine Mitgliedschaft konkret, dass Fechter das militärische Säbelfechten erforschen und nach altem Vorbild lernen und trainieren.

Alle Namen für die eine Kunst bedeuten mehr oder weniger das selbe, wenn unser Sport mit dem Ziel betrieben wird, eine quellenbasierte Rekonstruktion zu schaffen. Denn dann werden Techniken und Taktiken aus antiken bzw. historischen Fechtbüchern zu einer funktionstüchtigen Kampfkunst wiederbelebt.

Zu unserem Fechtsport gehört daher auch das Contrafechten. Andere nennen es Freies Fechten oder Freikampf und überprüfen so ebenso wie wir, ob die Interpretation aus den Büchern und die in Training investierte Zeit auch ein schlüssiges Resultat liefern: "Kann ich mit dem Erlernten die im Fechtbuch beschriebenen Situationen erfolgreich und unversehrt bestehen?".

Die Grundlage bildet in jedem Fall ein überliefertes Fechtbuch. Alte Meister wie Johannes Liechtenauer, die auf ihn folgenden Hans Talhoffer, Johannes Lecküchner, Joachim Meyer und viele andere mehr veröffentlichten ein Fechtbuch oder mehrere.

So geschah dies auch im Jahre 1838, als F. C. Christmann, Professor der Fechtkunst und Dr. G. Pfeffinger ihr Buch "Theoretisch - praktische Anleitung des Hau = Stoßfechtens und des Schwadronhauens, nach einer ganz neuen Methode (...)" im Eigenverlag vertrieben.

Allen Fechtbüchern ist gemein, dass sie europäische Kampfkünste beschreiben. Deren Tradition war unterbrochen oder geschwächt und für sie gibt es heute dank der aufgefundenen Bücher eine wissenschaftlich verwertbare Quellenlage.

Dort setzen wir mit unserem Verein an und beleben so eine vergessene Kampfkunst wieder.

Forschung

Primär wird im Bereich der Forschung im Verein die Interpretation der Quelle nach der Chemnitzer Methode "Pragmatische Interpretationsmethode" betrieben. So ist sichergestellt, dass Trainingsinhalte einer wissenschaftlich Betrachtung standhalten und transparent sind. Sekundäre Bereiche sind die Forschung zu Ausstattung und Kultur.

Die Erforschung der Ausstattung umfasst persönliche Gegenstände der Kämpfer der damaligen Zeit, besonders Waffen und Schuhwerk. Dadurch wird sichergestellt, dass das Training nicht durch modernes Material unbewusst verfälscht wird.

Um das Hau- und Stoßfechten noch genauer bewerten zu können ist es darüber hinaus unerlässlich, die damalige Kultur zu erforschen. Viele kleine Fragmente fügen sich zu einem ganz Bild zusammen und erschließen Aussagen der Autoren und ihrer damaligen Kritiker.

Für Interessierte, die an einem regelmäßiges Training nicht teilnehmen können oder wollen, sich aber für die Forschung rund um die Quelle interessieren, bietet sich eine Mitgliedschaft zur Forschung an.